Baltikum

Baltikum

Roadtrip durch das Baltikum

Informationen und Überblick

Das Baltikum in Nordosteuropa mit seinen drei Ländern Litauen, Lettland und Estland bereisten wir im Juli 2018 für eine Woche. Zufälligerweise waren wir zum 100-jährigen Jubiläum im Baltikum, was besonders in Vilnius und Riga durch Ausstellungen und Events deutlich wurde. Da die Zeit begrenzt war, hatten wir uns vorher bereits genau informiert, was wir uns anschauen wollten. Wir landeten in Vilnius, nahmen dort den Mietwagen in Empfang, fuhren durch Litauen und Lettland hoch nach Estland und gaben den Mietwagen eine Woche später in Vilnius wieder ab.

Das Baltikum hat uns begeistert und die Gründe hierfür gibt es in diesem ausführlichen Blogpost, der alle Stops beinhaltet. Die bekanntesten Reiseziele des Baltikums stelle ich euch jeweils mit einer Top-5 Liste vor und ausführlicher gibts die Berichte auch noch mal in einzelnen Beiträgen: Die drei Hansestädte Vilnius, Riga und Tallinn.

Dazu gibt’s noch Tipps für Ausflüge und wunderbare Zwischenstopps zwischen dem Länderhopping.

Die Route

Vilnius (Trakai) – Kaunas – Klaipeda/Kurische Nehrung – Kuldiga – Riga – Gauja Nationalpark – Pärnu – Tallinn – Vilnius

Die Route vom Roadtrip durchs Baltikum, googlemaps

Wissenswertes zum Baltikum

Das Wetter war mit 20-25 Grad angenehm und eine erfrischende Abwechslung zum heißen Jahrhundertsommer in Deutschland. Gelegentlichen Regen, einen Regenschirm oder eine Regenjacke sollte man aber einkalkulieren. Im Sommer wird es erst spät dunkel, so dass wir noch um 22 oder 23 Uhr durch die Städte spazieren konnten. In allen drei baltischen Ländern kommt man mit Englisch gut zurecht.

Der Euro ist in allen drei Ländern seit 2011 das alleinige Zahlungsmittel. Mit dem Auto darf man innerorts 50 und außerorts 90 km/h fahren. Mancherorts sind die Straßen nicht ausgebaut bzw. gleichen eher „Schotterpisten bzw. Feldwegen“. Die Entfernungen zwischen den Ländern sind nicht sehr groß, wir benötigten aber aufgrund der Straßenbedingungen teilweise mehr Zeit. „Volltanken“ kostete in allen Ländern circa 40 Euro. Das Preisniveau im Baltikum ist günstiger als in Deutschland.

LITAUEN

Route durch Litauen, googlemaps

In Litauen leben knapp 3 Millionen Menschen. Litauen ist das südlichste der baltischen Länder. In Litauen machten wir drei Stopps: in der Hauptstadt Vilnius, der zweitgrößten Stadt Kaunas und auf der Kurischen Nehrung.

Vilnius Sehenswürdigkeiten

#1 Tor der Morgenröte – Altstadt

Durch das Tor der Morgenröte, der einzige erhaltene Teil der Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert, gelangt man in die Altstadt von Vilnius. Wir schlenderten durch die Straßen und schauten uns die kleinen Läden an. Es lohnt sich, von den Hauptstraßen in die kleineren Gassen abzubiegen, in denen es nette Cafés gibt und eigentlich immer den Ausblick auf einen der vielen Kirchtürme.

Altstadt Vilnius

#2 Rathausplatz

Der Straße vom Tor der Morgenröte folgend gelangt man zum Rathaus und Rathausplatz. Ein schöner, weitläufiger Platz mit einem Springbrunnen, der St. Nikolaus-Kirche, hübschen Gebäuden mit Restaurants mit baltischer Küche und dem Rathausgebäude, in dem gerade eine Hochzeit stattfand.

Vilnius Rathausplatz

#3 Universität

Wir folgten der Hauptstraße und gelangten zur Universität.

Eine ansprechende, historische Universität – hier lernt es sicher gut.  Auf dem Gelände der Universität befindet sich eine der unzähligen Kirchen der Stadt: Die St. Johannes Kirche mit einem Glockenturm, den man auch besichtigen kann. Leider waren wir relativ spät dran, so dass wir uns die Uni nur im Schnelldurchgang anschauen konnten und nicht in den Genuss der Turmaussicht kamen. Ein erster Einblick in die Bibliothek, die historischen Innenräume mit verzierten Decken und Fresken und die Innenhöfe reichte aber, um diese Universität als eine Besondere auszumachen.

Vilnius Universität

#4 Kathedralenplatz

Als nächstes schauten wir uns den Kathedralenplatz an, an dem jeder irgendwann landen wird, da er der größte, lebendigste und zentralste Platz in Vilnius ist. Auf dem Platz befindet sich ein Aussichtsturm, der Glockenturm der Kathedrale St. Stanislaus und das Großfürstliche Schloss. Die Kathedrale kann man kostenfrei besuchen, der Turm und das Schloss kosten Eintritt. Da es schon abends aber noch relativ hell war, schauten wir den Skatern zu und machten uns auf einer Bank gemütlich. Der Platz ist Treffpunkt, Aufenthaltsort und Sightseeingstop in einem und umgeben von Hotels, Restaurants und Einkaufsstraßen.

Blickt man rechts hoch am Schloss vorbei, sieht man den Gediminas-Turm, ein Wahrzeichen von Vilnius. Der Turm ist der einzige überbliebene Rest der oberen Burg. Man kann ihn besichtigen. Als wir da waren, war er leider gesperrt.

Vilnius Kathedralenplatz

#5 Berg der Drei Kreuze

Ein schöner Aussichtspunkt über Vilnius ist der Berg der Drei Kreuze, den man vom Kathedralenplatz zu Fuß in 25 Minuten erreichen oder mit dem Auto von der anderen Seite anfahren kann.

Als wir von einem Tagesausflug zurückkamen, entschieden wir uns spontan, das Auto unterhalb des Berges abzustellen (bei Googlemaps: T. Kosciuszko g. 1A parking) und zum Aussichtspunkt zu laufen. Der Weg verläuft durch den Kalnu Park, vorbei an einer Konzertbühne und einem kleinen Stadion hinauf zu den markanten weißen Kreuzen.

Von dort hatten wir einen sehr schönen Blick über Vilnius, insbesondere den Gediminas-Turm und den Kathedralenplatz. Tipp: Bei Sonnenuntergang vorbeikommen!

Berg der Drei Kreuze

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • in der Republik Uzupis („Unabhängiges Viertel“ mit Streetart, Handwerk, kleinen Cafés…)
  • in der Markthalle
  • bei der Kirche St. Anna
  • beeindruckt von den Heißluftballons, die über Vilnius schwebten (kann man buchen, p.P. 100 Euro)

Essen & Übernachten

Wir übernachteten im Corner Hotel in Vilnius. Dieses hatte einen kostenfreien Parkplatz, einfache, aber saubere Zimmer und ein sehr leckeres Frühstück. Es ist ein bisschen außerhalb, aber nach 15 Min ist man zu Fuß in der Stadt.

Typisch für litauische Küche sind Kartoffeln und Rote Beete! Kartoffeln gibt es in vielen Formen und meistens als Kloß (Ceplinai, Litauens Nationalgericht) gefüllt mit Fleisch oder Frischkäse mit einer Soße aus Speck und saurer Sahne übergossen. Diesem Gericht ähnelte eines meiner Abendessen. Eine Art „Maultaschen“ mit Speck-Sahne-Soße. Super lecker!

Die Wasserburg in Trakai

Trakai liegt 35 Minuten von Vilnius entfernt. Es ist bekannt für seine Wasserburg, die mir persönlich gut gefiel. Die Gegend um die Burg war sehr idyllisch, entspannt und grün. Es ist möglich, die Burg von innen zu betrachten. Den Eintritt sparten wir uns, da man über eine Brücke zur Burg gelangt und dann drumherum laufen kann und einen guten Blick auf die Fassade und den Innenhof hat.

Die Gegend am gegenüberliegenden Ufer ist touristisch. Es gibt Souvenirläden und Bootsverleihe. Wir spazierten durch den kleinen Ort, in dem leicht schwedisch angehauchte Häuschen in grün, gelb und rot stehen und ein kleiner Park am Wasser zu einer kleinen Pause einlädt.

Geografischer Mittelpunkt Europas

Nach einiger Recherche wird der Mittelpunkt Europas wohl von einigen Orten für sich beansprucht. 27km von Vilnius entfernt befindet sich das von französischen Geologen vermessene Zentrum Europas. Dort gibt es ein kleines Touristenbüro, in dem man einen Stempel „der Mitte Europas“ erwerben kann. Dies hatte leider geschlossen, als wir dort waren. Die Umgebung ist nett, in einem Waldstück gelegen. Wir fanden den Ausflug eher unspektakulär. Wer Interesse an geografischen Fakten hat und des „Feelings“ wegen mal in der Mitte Europa sein möchte, sollte hierherfahren. Der Ort ist gut ausgeschildert.

Der geografische Mittelpunkt Europas

Kaunas

Kaunas war für uns ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Klaipeda. Kaunas ist die zweitgrößte Stadt Litauens und die ehemalige Hauptstadt. Als wir ankamen, regnete es leider. Wir schauten uns den Rathausplatz an und die mittelalterliche Burg. Der Rathausplatz ist geprägt vom 53m hohen Rathausturm, zwei Kirchen und den umliegenden Gebäuden, die den Platz mit Cafés abrunden. Kaunas konnten wir nicht wirklich eine Chance geben, da das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machte. Burg und Rathausplatz sind die Hauptsehenswürdigkeiten und liegen drei Minuten voneinander entfernt.

Klaipeda/Kurische Nehrung

Kurische Nehrung

Für eine Nacht blieben wir in Klaipeda. Wir übernachteten im Ibis Styles in Klaipeda. Tipp: Das Hotel liegt direkt an der Fährstation zur Kurischen Nehrung, ist modern, mit kostenfreien Parkplätzen und gutem Frühstück. Klaipeda selbst schauten wir uns nicht an. 

Wir verbrachten einen halben Tag auf der kurischen Nehrung. Die Kurische Nehrung ist ein Nationalpark mit litauischem und russischem Gebiet (Exklave Kaliningrad). Die Fähre kostete 12,30 Euro und die Mautgebühr auf der Nehrung 20 Euro. Das Geld ist gut investiert. Die kurische Nehrung ist voller Kieferwälder und begrüßte uns mit einer sommerlichen Frische, tollem Panorama und Zeit zum Abschalten. Wir fuhren ein bisschen ziellos über die Insel, was aber gar nicht schlimm war, da sehenswerte Stopps ausgeschildert waren und wir nach Lust und Laune anhalten konnten. Allein waren wir nicht – die Insel ist beliebt, aber nicht überfüllt. Wir blieben im litauischen Teil und schauten uns die berühmte Düne Europas in der Nähe von Nida an. Nida ließen wir aus, da viel los war und wir die Ruhe und die Weite der Dünen den Souvenirläden vorzogen. Meiner Meinung nach: Tourismus umgehen und Natur genießen! Die Nehrung ist ein perfekter Ort zum Seele baumeln lassen und durchatmen.

Kurische Nehrung

LETTLAND

Route durch Lettland, googlemaps

In Lettland leben circa 2 Millionen Menschen. Lettland liegt zwischen Litauen und Estland. Lettland ist bekannt für breite Strände, dichte Wälder und seine Hauptstadt Riga. In Lettland schauten wir uns Kuldiga, eine mittelalterliche Kleinstadt, Riga und den Gauja Nationalpark an.

Kuldiga

Kuldiga

Auf Kuldiga wurden wir vorher aufmerksam, da im Reiseführer (Marco Polo „Baltikum“) stand, dass in Kuldiga der breiteste europäische Wasserfall mit 249m fließt. Der war auf jeden Fall beeindruckend und für Groß und Klein ein Ort zum Spielen, Toben und Schwimmen und ein hübsches Fotomotiv kombiniert mit dem blauen Himmel und dem satten Grün.  Noch schöner war allerdings der Ort selbst. Als wäre man in der Zeit stehen geblieben. Die Ziegelsteinbrücke, die den Fluss überquert, der Stadtgarten und die kleine Bimmelbahn, die durch kopfsteingepflasterte Gassen vorbei an alten Fassaden und Holztüren bummelt – wie ein Spaziergang durch einen Roman vor unserer Zeit.

Rigas Sehenswürdigkeiten

Riga aus der Ferne

In Riga verbrachten wir zwei Nächte. Wir übernachteten etwas außerhalb im Bellevue Park Hotel, da wir hier das Auto kostenfrei und problemlos auf einem großen Parkplatz direkt vor dem Hotel abstellen konnten. Das Hotel ist ein vier Sterne Hotel, gepflegt und bietet große Zimmer, vielfältiges Frühstück und nach 20 Minuten Fußweg ist man in der Altstadt. Riga erkundeten wir komplett zu Fuß.

#1 Drei Brüder und Schwarzhäupterhaus

Nicht nebeneinander gelegen, aber beides schöne Fotomotive. Die „Drei Brüder“ sind drei Giebelhäuser, wovon eines das älteste Wohnhaus Rigas ist. Hellblau, grün und gelb schmiegen sich die Häuser einander und bieten ein super Motiv (Straße: Maza Pils 17-21). Das Schwarzhäupterhaus, rot und weiß gehalten, steht am Eingang Rigas vom Fluss kommend und steht auf dem Rathausplatz.

Die „Drei Brüder“

#2 Riga Schloss und Altstadt

Das Rigaer Schloss, an dem Fluss Düna gelegen, wurde um 1330 erbaut und ist heute Sitz des Staatspräsidenten und des Nationalmuseums. Es lohnt sich, um das Schloss herumzugehen. Wir machten eine kleine Pause auf einer der Bänke vor dem Schloss mit Blick aufs Wasser. Die Altstadt gefiel uns gut, weil wir sie gut zu Fuß „ablaufen“ konnten, es immer mal wieder hübsche gepflegte Grünanlagen gab und wir uns an den farbenfrohen Gilde- und Kaufmannhäusern, kleinen versteckten Höfen und Kirchen nicht satt sehen konnten. In Riga lohnt sich ein Blick in jede Gasse!

#3 Freiheitsdenkmal und Bastejkalna Park

Das 42m hohe Freiheitsdenkmal ist ein Wahrzeichen Lettlands und steht für „Vaterland und Freiheit“. Es steht auf einem exponierten Platz in der Nähe der Oper und im Bastejkalna Park. Der Park lädt zum Verweilen ein. Er wird von den Einheimischen zum Picknicken, Spielen, Sonnen und Entspannen benutzt und ist eine erholsame grüne Oase in der Stadt. Gut erholt starteten wir zum Zentralmarkt, der im Westen Rigas liegt.

Freiheitsdenkmal

#4 Zentralmarkt

Der Zentralmarkt mit seinen vier großen Hallen, die früher als Luftschiffhallen dienten, ist schon von Weitem zu erkennen. Es macht Spaß, durch die Hallen zu laufen. Vor den Hallen gibt es einen großen Blumenverkauf, kleine Snacks an einem Imbiss zu kaufen und in den Hallen gibt es alles, was das Herz begehrt: Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Gewürze und kleine handgemachte Dinge. Der Markt ist gemeinsam mit der Altstadt UNESCO Weltkulturerbe und ein dynamischer Ort, an dem fast alle Sinne angesprochen werden. Wir hörten die Verkäufer an jeder Ecke, wir sahen die verschiedensten Produkte, aßen in einem kleinen Imbiss mitten in der Markthalle und rochen die Gewürze, die Teile der Markthalle erfüllten.

Zentralmarkt

#5 Aussichtsplattform Akademie der Wissenschaften

Einen sehr genauen Blick über die Markthallen, den Fluss und Rigas Stadtzentrum hatten wir von der Aussichtsplattform „Akademie der Wissenschaften“ (Eintritt 5 Euro). Das Gebäude ist 108m hoch, 700m vom Zentralmarkt entfernt und der obere Teil sieht, wie ich finde, aus wie eine Miniform des Empire-State-Buildings 😉.  Wir waren allein auf der Plattform und konnten Riga in alle Richtungen genießen.

Außerdem sehenswert und interessant ist

  • der Dom zu Riga
  • die Art Noveau Gebäude, Jugendstilviertel, in der Alberta 2-13 und Elizabetes Straße 10b, 33
  • die Moskauer Vorstadt, Ghetto im 2. WK, mit Museen, Denkmälern, Informationstafeln und Gebäuden, die an die Schreckenszeit des 2. Weltkriegs erinnern
  • ein Blick von der Brücke „Akmens Tilt“ auf die Kulisse Rigas

Der Gauja Nationalpark

Gauja Nationalpark

Auf dem Weg in den Norden nach Estland machten wir einen Halt im Gauja-Nationalpark, der eine Stunde entfernt von Riga liegt. Der 920km² große Park ist eine teils unberührte Naturwelt.

Wir hielten kurz in Cesis, was touristisch gut erschlossen ist, um von dort in den Park zu fahren. Es gab keine Eintrittsgebühr. Leider hörten die Wegweiser nach Cesis langsam auf und wir waren auf uns und das Navi gestellt, da der Park noch nicht so beschildert ist wie andere Orte Lettlands. Die befestigten Zugangsstraßen enden hier teilweise in Schotterstraßen.

Mit ein bisschen Glück fanden wir dann doch den Parkplatz „Erglu Klintis“ (Adler Felsen). Von dort gibt es eine Informationstafel und der Weg zum Aussichtspunkt über den kupferbraunen Felsen ist dann gut zu finden. Wir wanderten ein Stückchen weiter und gelangten zu weißen Sandsteinfelsen am Ufer des Flusses. Besonders schön: Von hier hatten wir nochmal eine andere Perspektive auf die Felswände. Ein Maler saß am Ufer und skizzierte die Natur um ihn herum, zwei Kanufahrer fuhren vorbei und eine Familie spielte am Ufer. Ziemlich ruhig, idyllisch und absolut gemütlich hier.

Inmitten der grünen Wälder führten uns Holztreppen durch die Bäume. Unsere Zeit an diesem Ort war leider knapp bemessen, so dass wir die Turaida Burg, die Seen und weitere Umgebung des Nationalparks nicht erkunden konnten. Der Zwischenstopp war dennoch eine gelungene, ruhige, Abwechslung in der Natur und ein schöner Kontrast zum Städtetrip.

Gauja Nationalpark

Die Küste in Lettland und Estland

Da wir noch knapp 4 Stunden Fahrt nach Tallinn vor uns hatten, fuhren wir weiter. Unser geplanter Zwischenstopp war die Sommerstadt Eslands, Pärnu. Auf dem Weg dorthin fuhren wir eine Landstraße durch die Wälder neben der Küste entlang. Immer wieder konnten wir einen kleinen Blick auf die Ostsee erhaschen und bogen irgendwann spontan auf einen der vielen Campingplätze ab. Eine gute Idee! Auf dem Campingplatz gab es kleine Holzhäuschen, Platz für Wohnmobile und Zelte. Der Ort wirkte sehr ruhig und vermittelte absolutes Urlaubsentspannungsfeeling. Weniger entspannend war allerdings der Zugang zum Meer über große bis sehr große Steine 😉.

In Pärnu hielten wir uns nur eine Stunde auf, schlenderten durch die Haupteinkaufsstraße und gönnten uns einen kleinen Imbiss, bevor es weiter Richtung Tallinn ging. Pärnu ist, wie in vielen Reiseblogs beschrieben, eine sehr touristische, typische „Badestadt“ mit vielen Restaurants, Spa und Bars, die uns nicht wirklich angesprochen hatte.

Küste Estland

ESTLAND

Tallinns Sehenswürdigkeiten

Das Beste kommt zum Schluss. Im Norden des Baltikums angekommen verbrachten wir noch zwei Nächte in Tallinn. Tallinn gehörte auf jeden Fall zu den Highlights der Rundreise.

Tipp: Morgens vor 10 Uhr oder nachmittags ab 17 Uhr zu kommen, da Tallinn tagsüber von Kreuzfahrttouristen eingenommen wird.

Die Altstadt von Tallinn teilt sich in die Ober- und Unterstadt. Meiner Meinung nach hat die Oberstadt, besonders wegen der Aussichtspunkte, ein bisschen mehr zu bieten als die Unterstadt. Was ich richtig gut fand und unbedingt weiterempfehlen möchte, ist meine Tallinn-Top-5.

#1 Domberg

Der Domberg ist ein kleines eigenes Viertel in der Oberstadt mit prächtigen Bauten, Kopfsteinpflaster und einer mittelalterlichen Atmosphäre. Besonders auffällig ist hier die rot-weiße Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren runden Dächern, die von fast jeder Straße zu sehen sind.

Auch der Dom, Botschaften (u.a. die Deutsche Botschaft), Museen, Restaurants und der Sitz des Regierungschefs befinden sich auf dem Domberg. Hier kann man sich vor Fotomotiven kaum retten und es lohnt sich, in alle Richtungen zu schauen, weil die Umgebung einfach beeindruckend ist. Ein kleiner Teil Stadtmauer ist auch hier oben erhalten. Man gelangt durch eine Treppe hinauf in die Oberstadt oder durch kleinere Straßen. Die Wege sind gut beschildert.

Domberg

#2 Kohtuotsa und Patkuli Aussichtsplattform

Wenn man über die Patkuli Treppe in die Oberstadt gelangt, kommt man bei der Patkuli Aussichtsplattform an. Die Plattform liegt an der Nordseite des Dombergs und von hier hatten wir eine gute Sicht auf die Reste der Stadtmauer und die Türme, die immer wieder aus dem Stadtbild herausragen. Malerisch war hier die Kombination der Kirch- und Stadtmauertürmen mit den Bäumen und dem Meer im Hintergrund. Der Aufstieg lohnt sich!

Ausblick auf die Stadtmauer

Die Kohtuotsa Aussichtsplattform ist genauso empfehlenswert wie Patkuli. Beide Aussichtspunkte liegen auf dem Toompea Hügel, 200m voneinander entfernt, gut zu Fuß erreichbar. Wir gelangten durch ein Stadttor von der Altstadt in die Oberstadt hinauf. Die Kohtuotsa Aussicht unterscheidet sich ein wenig, da man von hier die Türme und die Stadtmauern nicht sieht, sondern die roten Dächer der Wohnhäuser, Kirchen und die „Neustadt“, der moderne Teil Tallinns, ist auch zu sehen. Eine kleine Mauer lädt zum Verweilen ein – auch ein Grund, warum hier mehr los war. In meinem persönlichen „Ranking“ liegt die Patkuli Plattform auf Platz 1, weil die Aussicht noch ein bisschen schöner ist.

Aussicht über Tallinn

#3 Rathausplatz

Am Rathausplatz kommt man nicht vorbei. Er ist das soziale Zentrum der Stadt und die meisten Hauptstraßen, Einkaufsstraßen und Gassen führen zu ihm. Ein großer Platz, umgeben von Kaufmannshäusern in allen Farben. Ein Touristenmagnet, vor allem wegen der vielen Restaurants und Bars, die den Blick auf den Platz bieten und von nationalen und internationalen Speisen alles bieten. Da wir abends hier waren und das Licht schön in Tallinns Altstadt schimmerte, blieben wir nur kurz und suchten liebere ruhigere Ecken Tallinns auf.

Rathausplatz

#4 Stadtmauer

Die Stadtmauer ist ein Wahrzeichen Tallinns. Mit einer Länge von 2km verleiht sie der Stadt einen märchenhaften Charme. Man kann die Stadtmauer begehen. Wir liefen unterhalb der Stadtmauer entlang, gingen auch mal aus der Altstadt heraus und betrachteten die teilweise wuchtigen Türme, wie die „Dicke Margarete“ und „Kiek in de Kök“. Besonders romantisch waren die kleinen Cafés und Innenhöfe in und um die Stadtmauer.

Die Stadtmauer von Tallinn

#5 Markthalle Balti Jaama Turg & Kalamaja Viertel

Als Kontrast zur historischen Altstadt sollte man sich mal Nähe des Bahnhofs die Markthalle Balti Jaama Turg und das Streetfood-Viertel anschauen. In der Markthalle gab es frische Produkte und auf dem Gelände aßen wir in einem ausrangierten stylischen Eisenbahnwaggon zu Mittag. Hier kann man Streetfood in einem alten Doppeldeckerbus genießen, ein Stück auf alten Gleisen laufen oder in der Markthalle einkaufen, durch kleine Boutiquen laufen und das moderne, stylishe, innovative Tallinn genießen. Hier kann man tagsüber auch den Touristen in der Stadt entfliehen.

Kalamaja Viertel

Da unser Air BnB in der Nähe lag, war der Ort eine coole Location für unser Mittagessen. Um die Ecke der Markthalle liegt das Holzhäuserviertel „Kalamaja“. Hier reihen sich bunte, geschmackvoll restaurierte Holzhäuser aneinander und auch hier gibt’s Möglichkeiten außerhalb des Altstadttroubles essen und trinken zu gehen. Die Läden sind sehr individuell eingerichtet, oft mit vielen Sitzmöglichkeiten draußen.

Rückblick

Gerne schaue ich mir das Fotobuch zur Baltikum-Rundreise an und stelle fest, dass ich irgendwann nochmal ins Baltikum muss, um noch mehr Nationalparks und Inseln anzuschauen und noch mehr in die Natur des Baltikums einzutauchen.

Auch wenn die Reise nur eine Woche dauerte, war sie zu keiner Zeit stressig. Das Baltikum und seine Einwohner sind entspannt und freundlich – in allen drei Ländern. Auf der Reise wurde uns ständig Abwechslung geboten. Die Autofahrt war zu jederzeit entspannt und unkompliziert (auch wenn die Straßen nicht immer optimal waren).

Für mich hatte jedes Land ein Highlight und es war eine Woche voller Vielfalt. So war die Kurische Nehrung in Litauen definitiv ein ganz besonderer Erholungsort, Kuldiga in Lettland ein in der Zeit gestehen gebliebener Wohlfühlort und Tallinn ein mittelalterliches Highlight, das die Reise perfekt abrundete. Trotz der historischen und naturbelassenen Orte ist das Baltikum an keiner Stelle veraltet und durchaus modern und innovativ.

Zwar mussten wir nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen, da in den großen Städten alles fußläufig ist und wir ansonsten den Mietwagen zur Verfügung hatten, dennoch gab es an allen sehenswerten Plätzen Bushaltestellen. In den Großstädten ist alles gut ausgeschildert und man kann sich gut orientieren. Auch die kleinen Orte sind zu erreichen – zur Not hilft ja Google Maps!

Kurz um: Das Baltikum eignet sich super für einen Roadtrip und eine Reise unzähliger schöner Momente.

ferienfrei

Ich bin Mareike, Lehrerin und in der Ferienzeit liebend gern unterwegs. Hier gibt’s individuell geplante Städtereisen und Roadtrips, eine Mischung aus Klassikern und unbekannten Schätzen, europaweit, aber auch mit einem Abstecher nach Asien.

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