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Krakau

Städtetrip ins winterliche Krakau

Vom 31.12.2016 bis zum 3.1.2017 verbrachten wir drei Nächte in Krakau und hatten 2,5 Tage Zeit uns die Stadt sowie Auschwitz anzuschauen. In diesem Blogpost stelle ich euch vor, warum sich ein Städtetrip nach Krakau auch im Winter lohnt und mit anderen Favoriten wie Prag und Budapest mithalten kann und warum wir den Besuch des KZ Auschwitz trotz aller Traurigkeit auch empfehlen können.

Wissenswertes

In Polen ist das Zahlungsmittel der Zloty. Umgerechnet entspricht 1 Zloty 22 Cent. Sowohl öffentliche Verkehrsmittel als auch Essen und Trinken sind um Einiges günstiger als zu Hause. Die Busfahrt in die Stadt vom Flughafen (mit dem Bus 208 oder 292 zum Busbahnhof) kostete umgerechnet circa 80 Cent und dauerte 40 Minuten. Das Fahren mit den historischen blauweißen Straßenbahnen in der Stadt kostete 25 Cent.

In Krakau sind aber alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar. Es gibt Geldautomaten und einige Wechselstuben in der Stadt. Unser Hotel war das Ibis Krakow Centrum, das wir aufgrund des leckeren Frühstücks, des netten Personals, der guten Lage und der teils heimischen Auswahl im hauseigenen Restaurant zum Abendessen empfehlen können.

Krakau liegt an dem Fluss Wawel und teilt sich in die Altstadt auf Seite der Burg Wawel und das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz sowie den Vorort Podgorze, das frühere jüdische Ghetto.

Typisches Essen: Barszcz (Rote Beete-Suppe – für alle die, die rote Beete mögen, muss Krakau ein foodheaven sein 😉), Obwarzanki (Hefekringel) und Zapiekanki (belegtes Baguette). Tipp für ausführliche Informationen: Der Dumont Reiseführer „Krakau“.

Krakaus Sehenswürdigkeiten

  1. Rynek, der schönste Platz Krakaus
  2. Altstadt erkunden über den Königsweg
  3. Wawelhügel und Spaziergang an der Weichsel
  4. Jüdische Viertel Kazimierz und Vorort Podgorze
  5. Ehemalige Konzentrationslager Auschwitz

 

#1 Rynek, der schönste Platz Krakaus

Rynek, der schönste Platz Krakaus

Krakaus Altstadt ist das Schmuckstück der Stadt. Krakau wurde in zwei Kriegen wie ein Wunder nicht zerstört und schmückt sich noch heute mit über 100 Kirchen, Klöstern und Palästen. Die Altstadt ist seit dem Jahr 1978 UNESCO Weltkulturerbe.

Ein guter Startpunkt für eine Stadtbegehung ist der Hauptmarkt, der Rynek, einer der ältesten mittelalterlichen Plätze Europas. Hier findet man eine Vielzahl an Cafés und Restaurants, die teilweise in unterirdisch in Kellergewölben untergebracht sind. Wir fanden hier spontan ein Restaurant für den Silvesterabend, das ein wenig altmodisch, aber gemütlich und stimmig eingerichtet war und uns ein polnisches Drei-Gänge-Menü für p.P. knapp 20 Euro servierte. Das zeigte uns, dass Krakau selbst an Silvester noch nicht überlaufen ist (zumindest 2017 war das so) und man nicht – im Gegensatz zu anderen europäischen Reisezielen – alles vorher planen und buchen muss.

Der Rynek ist sehr belebt. Straßenmusiker, Künstler und kleine Buden geben dem Platz eine lebhafte Atmosphäre. In den Tuchhallen, einem imposanten Renaissancegebäude, inmitten des Ryneks, wird Kunsthandwerk auf drei Stockwerken angeboten. In den Hallen kann man auch polnische Köstlichkeiten und kleine Snacks genießen.

Der Rathausturm ist das einzige Überbleibsel des Rathauses und von März bis 30. Dezember begehbar. Schade für uns, die gerne jede Stadt von oben betrachten. Außerdem unübersehbar auf dem Rynek ist die Marienkirche, die zu Abend in kupferfarben schimmerte und in der einer der größten Altare steht.

#2 Die Altstadt auf dem Königsweg erkunden

Apostel vor der Peter- und Paulkirche in Krakau
Apostel vor der Peter- und Paulkirche

Die Altstadt kann man je nach Interesse erkunden und sich einfach treiben lassen oder dem Königsweg folgen, den bereits frühere Monarchen nahmen, um im Rahmen von Festivitäten zur Burg gelangen. Wir liefen zunächst eher zufällig in den Weg hinein, folgten dann einfach den Hauptstraßen und liefen den Königsweg, der natürlich an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeikommt, quasi automatisch.

Wir starteten aber noch vor der Altstadt, an der Florianskirche. Von dort gingen wir vorbei am Plac Jana Matejki (Jan Matejko Square, Denkmal zu Ehren des Künstlers Jan Matejki) und am Grunwalddenkmal.

Schnell kamen wir nach Überquerung der großen Ringstraße am grünen Gürtel Krakaus an, der von oben betrachtet (Tipp: bei Google Maps die Altstadt anschauen) eher eine Birnenform hat, die zur Burg hin schmal zuläuft. Die Grünanlage vor den Toren der Altstadt ist bestimmt vor allem im Sommer als Treffpunkt oder Joggingrunde sehr beliebt. Im westlichen Teil befindet sich auch die historische Universität, deren Räume man besichtigen kann.

Wir liefen weiter vorbei am Barbakane, eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Backsteinbastion. Danach spazierten wir durch das Florianstor, dem mächtigen Eingang und letzten erhaltenen Tor der ehemaligen Stadtfestung. Durch die gut gefüllte Floriańska-Straße mit Blick auf die Marienkirche kamen wir wieder am Hauptmarkt an.

Blick von der Florianska Straße auf die Marienkirche
Blick von der Florianska Straße auf die Marienkirche

Folgt man dem Königsweg verlässt man den Hauptmarkt geradeaus an der Südoststeite und kommt auf die Grodzka Straße mit vielen Kirchen, Souvenirläden, Restaurants und Boutiquen und vor allem an der beeindruckenden Peter- und Paulkirche vorbei, deren Eingang mit den 12 Aposteln bestückt ist und ein besonderes Fotomotiv hergibt.

Hier pulsiert das Leben Krakaus – Straßenkünstler, Musiker und die Touristen tummeln sich in der Straße, von der man Museen besuchen, shoppen und Kirchen bestaunen kann. Da unser Ziel die Burg war, bogen wir in die älteste Straße Krakaus, die Kanonicza Straße ab. Von hier konnten wir schon die Turmspitzen der Burg sehen und wir merkten, dass der Königsweg vom Florianstor bis kurz vor der Burg seinem Namen alle Ehre macht.

#3 Wawelhügel und Spaziergang an der Wawel

Am Ende der Kanoniczastraße gingen wir an der Rückwand der Burg hoch. Der Promenadenweg führt an einer Mauer mit Namensschildern der Spender für die Restaurierung des geschichtsträchtigen Ortes vorbei und endet auf dem Wawelhügel. Der Wawelhügel blickt mit der Burg, der Drachenhöhle und der Kathedrale auf 1000 Jahre Geschichte zurück.

Der Hügel thront über der Wawel am Ende der Altstadt auf einem Kalkfelsen und gilt für die Polen als Heiligtum, das jeder mindestens einmal besucht haben sollte. Mein erster Eindruck glich einem kleinen Park voller sehenswerter Gebäude, die mit der Sonne um die Wette glänzten. Hier war viel los und wir schauten uns die Gebäude von außen an. Der Zutritt zur Kathedrale und zum Hügel ist kostenfrei. Der Burgzugang und der Eintritt zu den Museen variiert zwischen zwei und sechs Euro. Wir hatten Glück und das Wetter spielte mit. So gingen wir an der Südseite hinunter und machten einen schönen Spaziergang an der Wawel.

#4 Kazimierz und Vorort Podgorze

Von der Burg gelangt man am Fluss mit einem kleinen Spaziergang ins ehemalige jüdische Viertel Kazimierz. Man kann aber auch in der Stadt über die Hauptstraße Stradomska laufen, überquert den langen Grünstreifen zwischen den Hauptverkehrsstraßen Dietla und gelangt dann direkt ins Viertel Kazimierz.

Das Viertel ist heute eine Mischung: Ein Ort der Tradition und Erinnerung und ein Szeneviertel, das auch bei Studenten (Krakau ist eine Studentenstadt) sehr beliebt ist. Szenecafés, Hinterhöfe mit kleinen Läden (vor allem in der Straße Szeroka) und sogar Drehorte des Films „Schindlers Liste“ gibt’s in Kazimierz zu entdecken.

Wir kamen an über vier Synagogen vorbei, die über das Viertel verteilt liegen. Bei unserer Erkundungstour erreichten wir auch den Plac Nowy. Ein zentraler Platz mit einem achteckigen Gebäude namens Okraglak in der Mitte, umrundet von vielen Lokalen und Pubs, die vor allem jüngere Leute zum Feiern anziehen. Am Wochenende finden hier Flohmärkte statt. Von Montag bis Samstag (7-14.30 Uhr) kann man im Okraglak Wurst kaufen, an den umliegenden Imbissbuden einen kleinen Snack essen oder Obst- und Gemüse an den Marktständen kaufen. Wir waren erst am späten Nachmittag da und es herrschte eher Leere auf dem Platz.

Generell kann ich mir gut vorstellen, dass in den wärmeren Monaten das Viertel noch mehr erwacht, die Straßen gefüllter sind und es lebhafter zugeht. Nicht umsonst gilt Kazimierz als Szeneviertel und viele Plätze hier als Szenetreff.

Der Vorort Podgorze

Nach unserem Ausflug nach Auschwitz (folgt im nächsten Kapitel) nahmen wir uns noch Zeit, den Vorort Podgorze anzusehen. Der Schnee hatte zugelegt und es wurde richtig kalt, aber wir spazierten tapfer vom Hotel aus an der gegenüberliegenden Uferseite des Wawelhügels Richtung Podgorze.

In Podgorze errichteten die Juden 1941 ein Ghetto und ermordeten Zehntausend Juden. Ich möchte kurz auf drei sehenswerte Orte (sicherlich gibt es hier noch mehr zu entdecken!) eingehen.

Der Plac Zgody, ein großer Platz im Herzen des Ghettos, der auch „Ghetto Heroes Square“ genannt wird, erinnert mit 70 Stühlen, davon 33 übergroßen Stühlen, die in Richtung der alten Apotheke aus der damaligen Zeit schauen, an die ehemaligen Bewohner. Gerade im Winter im Kontrast zum Schnee fallen die schwarzen Stühle auf, die stumm und leer auf dem weitläufigen Platz stehen und so wirken, als wären sie verlassen worden. Vielleicht die gewollte Wirkung? Vielleicht eine subjektive Wahrnehmung? Auf jeden Fall war der Platz damals der größte und wichtigste Platz im Wohngebiet, vom dem tragischerweise aber auch die Deportationen der Juden in die umliegenden Konzentrations- und Vernichtungslager erfolgten und alle grausamen Ansprachen und Befehle seitens des NS-Regimes vorgenommen worden.

Der schneebedeckte Plac Zgody in Krakau während unserem Städtetrip
Plac Zgody

An der Südostseite des Platzes findet ihr die Apotheke zum Adler mit einem Gedenkraum und Infotafeln. Laut des Reiseführers von Dumont arbeitet in der Apotheke einer der einzigen Nicht-Juden, der die jüdische Bevölkerung mit Medikamenten, aber auch heimlich mit Informationen und Nachrichten versorgte und manchen Juden zur Flucht verhalf.

Ein Stück entfernt liegt Schindlers Fabrik. Diese wurde in ein Museum verwandelt und zeigt die Zeit von 1939-1945 in Krakau mit Ausstellungen, Fotos, Filmmitschnitten und Tonaufnahmen.  Beide Sehenswürdigkeiten haben leider nur bis 14 bzw. 16 Uhr geöffnet, so dass wir leider zu spät kamen. In vielen Reiseblogs wird vor allem Schindlers Fabrik (laut Reiseführer 5 Euro Eintritt p.P.) als interessanter und lehrreicher Ort beschrieben. Sollten wir also nochmal wiederkommen, steht das Museum oben auf der Liste.

Wir machten uns hungrig zurück auf den Weg ins Hotel und spazierten mit Blick auf den mit schneebedeckten Wawelhügel am Fluss entlang. Ob in strahlendem Sonnenschein oder verschneit, die Wawelburg thront in jeder Wetterlage prächtig über Stadt und Fluss.

Wawelburg in Krakau
Wawelburg

#5 Auschwitz

Informationen

Am 2. Januar ging es für uns nach Auschwitz. Die Anreise wurde über das Hotel organisiert. Am Anreisetag im Hotel fragten wir nach einem Besuch in der Gedenkstätte und die Buchung verlief unproblematisch. Die Kosten betrugen – insofern ich mich richtig erinnere – circa 30 Euro pro Person und beinhalteten die einstündige Fahrt in einem Minibus und die Führung.

Wir wurden gemeinsam mit fünf weiteren Personen morgens nach Auschwitz gefahren, konnten uns das Museum selbstständig anschauen und nahmen danach an einer Führung teil, die circa 1,5 Stunden dauerte und in Englisch geleitet wurde. Man kann von Krakau auch einen öffentlichen Bus nehmen oder mit dem Zug fahren. Dies dauert eine halbe Stunde länger und kostet mit Hin- und Rückfahrt circa 8 Euro. Der Eintritt in die Gedenkstätte und das Museum sind kostenlos. Führungen kosten je nach Länge zwischen sieben und zehn Euro.

Einstündige Führung

Es war ein wenig unter null Grad, der Wind zog über das Gelände und hin und wieder fiel Schnee vom Himmel. Die Kälte und der Schnee passten zu dem bedrückenden und tragischen Schauplatz und machten die Erzählungen der Reiseleitung noch unvorstellbarer.

Jedem wird das größte Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aus dem Geschichtsunterricht oder aus Filmen ein Begriff sein, selbst vor Ort zu sein ist mit der bisherigen schulischen und privaten Auseinandersetzung nicht zu vergleichen. Ich holte nur dreimal mein Handy raus, um ein Foto zu machen.

Erstens, weil ich es vor allem in den Innenräumen und im Museum für unangebracht hielt, Fotos von den persönlichen Gegenständen der Verstorbenen zu machen, zweitens, weil ich mich auf die Berichte der Reiseleitung konzentrieren wollte und drittens, weil ich es stellenweise zu beklemmend fand, die Bilder vor mir festzuhalten.

Durch die Erzählung der Reiseleitungen werden das systematische Foltern und die Ermordungen der Menschen im KZ noch deutlicher. Anhand des Rundgangs und der detaillierten Informationen werden die Bilder lebendiger und das deprimierende Bild, was die riesigen Baracken, die Überwachungstürme, die Gaskammern und die lange Auffahrt mit den Gleisen darstellt, realer als in jedem Geschichtsbuch.

In mein Gedächtnis prägte sich vor allem, leider eine traurige Berühmtheit, die Hinrichtungsmauer, ein. Anhand dieses Ortes und dem Krematorium, den Öfen sowie den Gaskammern wurde die Grausamkeit nochmals verdeutlicht und in den Baracken spiegelten sich an jeder Stelle des Raumes die menschenunwürdigen Lebensverhältnisse wider. Die Anonymität, die mit Auschwitz einhergeht, wird im Museum anhand der Brillen, Schuhe, Koffer und weiterer Habseligkeiten der Opfer deutlich. Diese werden dort aufbewahrt und konserviert und dienen als Erinnerungstücke und letztes Eigentum der Opfer.

Alles in allem klingt es absurd einen Ort zu empfehlen, an dem fast eineinhalb Millionen Menschen systematisch getötet wurden, dennoch möchte ich Auschwitz, das grausamste Symbol des Holocausts, auf dieser Reise nicht missen wollen. Ich halte es für eine Chance und eine wichtige Auseinandersetzung, die begleitet durch eine Reiseleitung, zu dem einprägsamsten Ausflug der Reise wurde und mit seiner ganzen Traurigkeit und dem Grauen, das dieser Ort mit sich bringt, die Botschaft verstärkt, dass so etwas nie wieder passieren darf. So war es für mich nicht nur ein Ort des Schreckens, sondern auch ein Ort des Innehaltens und Erinnerns.

Warum kann ich einen Städtetrip nach Krakau empfehlen?

Krakau KANN meiner Meinung nach mit anderen europäischen beliebten Reisezielen wie Budapest und Prag mithalten und hat genauso viel zu bieten.

Krakau hat dazu noch eine Geschichte zu bieten, die man im jüdischen Viertel Kazimierz und dem Vorort Podgorze spüren und nachempfinden kann. Das kulturelle Angebot hinsichtlich der jüdischen Vergangenheit und des Zweiten Weltkriegs, aber auch in anderen Bereichen, ist groß.

In Krakau kann man auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten und alles zu Fuß erreichen, was meiner Meinung auch immer ein großer Pluspunkt ist. Krakau hat somit eine optimale Größe für einen mehrtägigen Städtetrip, bei dem man sich von den vielen Eindrücken auch mal in den grünen Parks um die Altstadt herum und Szenecafés in Kazimierz ausruhen kann.

Wir waren im Winter in Krakau und das würde ich so auch wiederholen. Wie ich in den letzten Jahren gehört und gelesen habe, boomt Krakau immer mehr und kommt auch stärker für ein „Partywochenende“ in Frage. Vielleicht ein Grund, auch Krakau in der Nebensaison zu bereisen, obwohl ich mir Krakaus Altstadt und die Spaziergänge an der Wawel im Sommer sehr schön und lebhaft vorstelle. Krakau scheint mir demnach zu jeder Zeit ein attraktives Reiseziel zu sein.

Also ab nach Krakau, was so langsam kein Geheimtipp mehr ist, aber absolut zu einem der Städtetrips Europa werden kann!

ferienfrei

Ich bin Mareike, Lehrerin und in der Ferienzeit liebend gern unterwegs. Hier gibt’s individuell geplante Städtereisen und Roadtrips, eine Mischung aus Klassikern und unbekannten Schätzen, für Deutschland und Europa.

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